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Flaka Haliti

Die im Kosovo geborene Künstlerin lebt in München und schuf gerade eine poetische Metallskulptur, die in Sendling zu bestaunen ist.

Flaka Haliti trägt Marni

Q: Sie sind im Kosovo geboren, haben in Pristina und an der Städelschule in Frankfurt studiert, promovieren gerade in Wien und leben in München – wo ist Ihr Zuhause?
A: In München bin ich vor sieben Jahren aus privaten Gründen gelandet. Das passte gut, da Berlin nach meinem Studium sowieso keine Option für mich war, weil da alle Künstler hinwollten. München ist kleiner und nicht ganz so auf-regend, aber mir gefällt, dass hier die verschiedenen Klassen, Leute, Interessen tatsächlich aufeinandertreffen. Das sorgt für Reibung und ist spannend.

Q: Ihre bisher größte Herausforderung?
A: Den Kosovo zu verlassen, um ohne finanzielle Unterstützung an der Städelschule in Frankfurt zu studieren. Anfangs war alles ziemlich kompliziert, aber ich wollte nicht aufgeben. Die Kunstszene im Kosovo wird von Männern dominiert. Ein Lehrer sagte mal: »Wir haben keine inter­national bekannten Künstlerinnen, weil sie keine Bälle haben, die sie riskieren, und alles nehmen müssen, um in diesem Geschäft zu überleben.« Meine Antwort darauf war 2008 die Arbeit »My Balls«, sie zeigt den Hoden eines Stiers. Und sie zeigt, dass man sehr wohl mit uns Frauen rechnen muss.

Q: Inzwischen sind Sie präsent, ­haben an der Venedig-Biennale teilgenommen und waren 2019 für den Preis der Nationalgalerie in Berlin nominiert. Ihr Ratschlag für junge Künstler?
A: Probier ruhig mehrere Versionen von dir aus, bis du die beste gefunden hast. Und wenn es ­diese eine nicht gibt, dann umarme sie alle.

Q: In unserer Strecke tragen Sie Marni – haben Sie generell Spaß an Mode, und was bedeutet sie Ihnen?
A: Oh, ich würde Fashion als mein Guilty Pleasure bezeichnen. Ich finde Mode als kulturelles Phänomen interessant: Sie spiegelt die Gesellschaft und kommuniziert mit Codes, ohne zu sprechen. Ich folge der russischen Stylistin Lotta Volkova auf Instagram, die für Vetements und Balenciaga gearbeitet und gerade für Adidas eine Kollektion entworfen hat. Sie bringt ihren mutigen Edge in die Marke. Wer mich auch inspiriert, ist meine Freundin, die Designerin Venera Mustafa, deren Sachen ich gerne trage. Sie hat die traditio­nelle Mode­szene im Kosovo mit ihrem androgynen Stil aufgemischt.

Q: Wo trifft man Sie in München?
A: Im Moment pendele ich ständig von meiner Wohnung im Westend ins Schlachthofviertel. In der ­Ruppertstraße 5 wird gerade meine 15 Meter hohe Skulptur »I see a Face. Do you see a Face« installiert. Unterschiedlich dicke Stäbe aus beschichtetem Stahl winden sich durch die Luft und bilden eine Silhouette, die einem dahingekritzelten Gesicht gleicht. Eine Art Doodle, an dem die Wolken vorbeiziehen und das sich so immer wieder verändert.

Text
Antje Wewer

Fotografie
Davit Giorgadze