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Davit Giorgadze

Fotograf unserer Portrait-Modestrecke,ist in Georgien aufgewachsen und seit 2015 Wahlberliner. Der 24-Jährige begeistert die internationale Modewelt mit seinem eigenwilligen Stil.

Q: WIR HABEN PERSÖNLICHKEITEN, NICHT PROFESSIONELLE MODELS, VOR DIE ­KAMERA GEBETEN. VERÄNDERTE DAS IHRE ARBEIT?
A: Nein, für mich macht das keinen Unterschied! Ich lasse die Menschen zu sich selbst finden, dann dirigiere ich sie sanft dorthin, wo ich sie haben will. Was ich immer vermeiden will: polierte Fashion-Stereotype, die wir alle schon zu oft gesehen haben.

Q: SIE FOTOGRAFIEREN ANALOG, NICHT DIGITAL WIE DIE MEISTEN MODEFOTOGRAFEN, WARUM?
A: Die Konzentration ist eine andere und das Ergebnis eine größere Überraschung.

Q: WANN HABEN SIE MIT DEM FOTO­GRAFIEREN ANGEFANGEN?
A: Schon als Kind, als ich zwischen Tiflis und meinen Großeltern, die am Schwarzen Meer leben, gependelt bin. Mit einer Zenit, einer Post-Sowjet-Kamera, habe ich meine Umgebung dokumentiert. Ich bin auf eine Sportschule gegangen, habe Fußball gespielt und im georgischen Chor gesungen. Meine Mutter ist Zahnärztin, mein Vater war der jüngste Falkner in Georgien – sie hatten nichts mit der Modewelt zu tun, haben mich aber immer machen lassen. Als ich Art & Design an der Universität in Tiflis studierte, habe ich mit meinen Freunden das Label Situationist ­gegründet, für das ich bis heute die Kampagnen gestalte. Mein erster Modekunde in Georgien war die talentierte Tamuna Ingorokva mit ihrem Avantgarde-­Label ­Ingorokva.

Q: WAS, GLAUBEN SIE, WAR EIN WICHTIGER MOMENT FÜR IHRE LAUFBAHN?
A: Das Survival-Heft, das ich für das französische Magazin Antidote fotografiert habe. Dadurch wurden andere Marken wie Chanel, Barneys, Burberry, Saint Laurent auf mich aufmerksam. Fashion funktionierte wie ein Dominospiel.

Q: WER ODER WAS INSPIRIERT SIE?
A: Die Filme von Andrei Tarkovsky, Sergei Parajanov und Krzysztof Kieslowski. Kürzlich habe ich Juliette Binoche für das Magazin Behind the Blinds fotografiert, meine Heldin aus »Drei Farben: Blau«. Zauberhafte Person. Ich mag die TV-Show »Grace and Frankie« – Jane Fonda! Lily Tomlin! – und den Spirit von Musikern und Künstlern wie King Princess und Moses Sumney.

Q: WIE WÜRDEN SIE IHREN EIGENEN STIL BESCHREIBEN?
A: Ha, man könnte mich für einen Deutschen halten, ich trage gerne Bergsteigerstiefel, Activewear und bequeme Outdoor-Kleidung.

Q: SIE SIND VEGANER. STÖSST DAS AUF UNVERSTÄNDNIS, ODER IST ES EHER DAS NEW NORMAL?
A: Weder noch. Ich habe vor drei Jahren aufgehört, tierische Produkte zu essen, der Umwelt zuliebe. Klappt ganz gut, ab und zu esse ich Eier. Eigentlich bin ich unkompliziert: Gemüse, Früchte, Nüsse, Mandel- oder Reismilch. Mein Lieblingsgetreide: Buchweizen, in jeder Form.

Text
Antje Wewer

Fotografie
Davit Giorgadze